Wohnen am Wagnereck
Das winkelförmige Wohngebäude in Lauchhammer ist Teil eines städtebaulichen Ensembles aus den 1950er-Jahren. Mit seiner klaren Formensprache prägt es bis heute das Erscheinungsbild des Quartiers. Im Zuge der geplanten Grundsanierung wurde besonderer Wert darauf gelegt, den charakteristischen Ausdruck des Bestandsgebäudes zu bewahren und zugleich den Wohnkomfort zeitgemäß zu optimieren. Entwurfsleitend ist dabei ein sensibler Umgang mit der vorhandenen Bausubstanz, der den historischen Gebäudecharakter respektiert und ihn durch gezielte Eingriffe weiterentwickelt. Ein zentrales Element bildet der Anbau eines „grünen Gerüstes“ auf der Gebäuderückseite.


Die Straßenfassade wurde unter Berücksichtigung der ursprünglichen Gestaltungselemente neu interpretiert und behutsam weiterentwickelt. Proportionen, Rhythmisierung und Materialität des Bestands werden aufgegriffen und in eine zeitgemäße Architektursprache überführt.



Im Inneren sorgen gezielte Grundrissänderungen für zeitgemäßen Wohnkomfort. Während vor dem Umbau nahezu ausschließlich Zweiraumwohnungen vorhanden waren, entstand nun ein differenzierter Wohnungsmix aus Zwei- bis Vierraumwohnungen. Offene Küchen, vergrößerte Bäder und großzügige Fensteröffnungen zur Gartenseite verbessern die Wohnqualität der insgesamt 38 Wohnungen spürbar.
Neue Aufzüge sowie elf barrierefreie und drei rollstuhlgerechte Wohnungen ermöglichen zudem eine bessere Nutzung für alle Generationen – dabei handelt es sich um geförderten Wohnungsbau.
Die Erweiterung der Wohnflächen erfolgt auf der rückwärtigen Seite: Balkone und Wintergärten schaffen zusätzliche Aufenthaltsräume, ohne die historische Straßenfassade zu beeinträchtigen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der energetischen Ertüchtigung der Gebäude. Eine mineralische Fassadendämmung, die Dämmung von Kellerdecke und Dachgeschossdecke, neue Fenster sowie der Einbau von Fußbodenheizungen verbessern die Energieeffizienz nachhaltig.
Ein besonderes gestalterisches Element sind die Schiebeelemente vor den Erdgeschosswohnungen. Ihr Motiv geht auf eine Wettbewerbsidee zurück und nimmt Bezug auf die traditionsreiche Kunstgusstechnik der Stadt Lauchhammer. Ursprünglich als Kunstguss geplant, wurden sie nach der Insolvenz der Gießerei in Stahl ausgeführt, wobei das charakteristische Muster erhalten blieb.
Die Elemente dienen sowohl dem Sonnen- als auch dem Sichtschutz und finden sich auch in den Absturzsicherungen wieder.
Das Farbkonzept knüpft an die Gestaltung der 1950er-Jahre an und interpretiert diese neu. Vereinfachte Schmuckelemente aus rötlich eingefärbtem Betonwerkstein sowie rote Türrahmen setzen Akzente in der Fassade, während das visuelle Thema im Bereich der Treppenhäuser wieder aufgegriffen wird.



Das Projekt „Wohnen am Wagnereck“ zeigt, wie der sensible Umgang mit dem baulichen Erbe der 1950er‑Jahre und zeitgemäße Anforderungen an Wohnen, Energieeffizienz und Barrierefreiheit miteinander verbunden werden können. Durch den Erhalt der prägenden Straßenfassaden, die Weiterentwicklung im Inneren und gezielte Ergänzungen auf der Gartenseite bleibt der Charakter des Quartiers erhalten, während gleichzeitig verbesserte Wohnqualitäten entstehen.
Die Sanierung versteht sich damit als Weiterbauen im Bestand:
respektvoll gegenüber der Geschichte, funktional für die Gegenwart und nachhaltig für die Zukunft.